Trainer Mirco Kappler bestreitet mit Verbandsligist WTHC das letzte Heimspiel im Stadtnorden

Um 17 Uhr wird die Partie gegen Bremen angepfiffen. Seinen Sport hat der 38-jährige Volkswirt in Berlin kennengelernt.
MARTIN M√úNZBERGER
Mirco Kappler ist seit einem Jahr Abteilungsleiter der Hockey-Sparte des Wilhelmshavener THC. Am Sonntag bestreitet der 38-Jährige mit seinem Team, das er gleichzeitig trainiert, das letzte Heimspiel des WTHC an der Plauenstraße. WZ-FOTO:LÜBBE

WILHELMSHAVEN –¬†Etwas Besonderes ist nicht geplant, wenn die Hockeyspieler des Wilhelmshavener THC am Sonntag um 17 Uhr ihr letztes Pflichtspiel auf dem Kunstrasen-Platz an der Plauenstra√üe bestreiten. Mirco Kappler, Trainer des Teams und gleichzeitig Abteilungsleiter der WTHC-Hockeysparte: ‚ÄěEtwas zu Grabe zu tragen, erscheint mir zu makaber zu sein. Und ein Fest zu feiern? Das passt irgendwie auch nicht zum Anlass.‚Äú

Also wird es aller Voraussicht nach ‚Äěnur‚Äú ein Verbandsliga-Hockeyspiel geben. Eines zwar, dass bei einem Sieg noch die M√∂glichkeit er√∂ffnet, am Ende der Spielzeit (ein weiterer Spieltag steht anschlie√üend noch aus) in der Sechser-Staffel den zweiten Platz zu belegen. Doch der hat keine Auswirkungen. Aufstiegsspiele zur Oberliga bestreitet nur der Meister im Vergleich der Tabellenf√ľhrer der Landesverb√§nde Bremen und Niedersachsen.

Dass sich die WTHC-Spieler von der Plauenstra√üe verabschieden m√ľssen, steht seit der vergangenen Woche fest. Da wurde im Rat wie berichtet ein Antrag zur√ľckgezogen, den Kunstrasenplatz trotz eines g√ľltigen Ratsbeschlusses aus dem Vorjahr nicht mit einem neuen Langflor-Belag auszustatten, sondern mit einem Kurzflor, der auch den Hockeyspielern erm√∂glicht h√§tte, dort weiter zu spielen.

Die m√∂gliche Zukunft der WTHC-Hockeyspieler k√∂nnte jetzt im Sportpark Freiligrath¬≠stra√üe liegen. Stephan Hellwig (CDU) hat einen Vorsto√ü f√ľr die Ratssitzung am 14. Juni angek√ľndigt, der den Bau eines Hockeyplatzes dort zum Inhalt hat. Das Problem sind die Kosten: 500‚ÄČ000 Euro soll eine entsprechende Anlage unter dem Strich kosten.

Mirco Kappler, vor f√ľnf Jahren aus Berlin nach Wilhelmshaven gekommen und mittlerweile in Sande wohnhaft, hat die zur√ľckliegenden Diskussionen verfolgt. Echte √úberraschungen waren f√ľr den 38-j√§hrigen gelernten Volkswirt, der als Verk√§ufer bei Sande Stahlguss arbeitet, nicht dabei.

Verwunderung l√∂ste eher der Ausgangspunkt des Konflikts aus, der zwischen zwei Extremen pendelt. Erstens: Braucht ein Fu√üball-Breitensport-Verein wie der VfL, der die Plauenstra√üe nutzt, einen Langflor-Belag, damit ihm nicht die Mitglieder weglaufen? Und zweitens: Sind 500‚ÄČ000 Euro f√ľr 70 Mitglieder in einer Herren- und zwei Jugendmannschaften nicht ganz sch√∂n viel Geld?

Mirco Kappler also z√§umt das Pferd von hinten auf. ‚ÄěIn Bremen und zum Beispiel bei GVO Oldenburg gibt es bew√§sserte Kurzflor-Kunstrasenpl√§tze, die Fu√üball und Hockeyspieler seit Jahren problemlos gemeinsam nutzen. Insofern habe ich die VfL-Widerst√§nde nie so ganz verstanden.‚Äú

Mit einer m√∂glichen Zukunft an der Freiligrathstra√üe k√∂nnte der WTHC-Trainer aber sehr gut leben. ‚ÄěDas w√§re eine Chance f√ľr uns. Wir k√∂nnten ganz anders trainieren ‚Äď und damit auch wieder neue Mitglieder gewinnen. In F‚Äôgroden waren wir nicht so verwurzelt. Und im Sportpark w√§re auch die r√§umliche N√§he zum Vereinsgel√§nde am √Ėlhafendamm gegeben.‚Äú

Die bisherige Situation f√ľr die Hockeyspieler war unbefriedigend. In den vergangenen Jahren standen nur am Montag Trainingsstunden f√ľr alle Teams zur Verf√ľgung ‚Äď insbesondere f√ľr die zumeist am Sonntag aktiven Herren ein extrem ung√ľnstiger Termin. Kappler: ‚ÄěNur einmal in der Woche Training ‚Äď das ist ein absoluter Wettbewerbs-Nachteil. Daf√ľr haben wir eine wirklich gute Saison gespielt. H√§tten wir k√ľnftig bessere Rahmenbedingungen, k√∂nnten wir auch wieder in die Kinderg√§rten und Schulen gehen, und das Ganze vern√ľnftig von unten aufbauen.‚Äú

Optimale Hockey-Verh√§ltnisse kennt der 38-j√§hrige dreifache Familienvater aus seiner Zeit beim Berliner SC, wo Kappler als Aktiver einmal Regionalliga- und in der Hallensaison auch Zweitliga-Luft schnupperte sowie Nachwuchs-Mannschaften im Verein trainierte. Und auch von Verletzungen ist der defensive Mittelfeldspieler bislang verschont geblieben. ‚ÄěHockey ist aber auch nicht gef√§hrlich. Daf√ľr aber ein vielseitiger Sport, bei dem Kinder sehr schnell sehr viel Spa√ü haben k√∂nnen und bei dem ihnen beigebracht wird, R√ľcksicht aufeinander zu nehmen.‚Äú

Damit solche Tugenden und der Hockeysport an sich in der Jadestadt weiterleben k√∂nnen, wollen die WTHC-Verantwortlichen die weiteren Diskussionen konstruktiv begleiten ‚Äď inklusive des Angebots, wie berichtet Teile des Vereinsgel√§ndes zu ver√§u√üern und so mit rund 100‚ÄČ000 Euro zur Finanzierung eines neuen Platzes beizutragen.

Um in der √úbergangszeit sportlich √ľberleben zu k√∂nnen, haben die WTHC-Verantwortlichen in dieser Woche beim Bremer Verband einen Antrag gestellt, in der kommenden Saison komplett auf das Heimrecht zu verzichten. Gepr√ľft wird weiterhin die M√∂glichkeit, in der 4. Einfahrt und am Falkenweg in Sande zu trainieren.