TENNIS – Pascal Doose bestreitet mit Nordligist WTHC am Samstag das letzte Heimspiel der WinterrundeMartin MĂĽnzberger

Pascal Doose schlägt in der Tennis-Winterrunde für Nordligist WTHC an Position 2 auf.WZ-FOTO: Gabriel-Jürgens

Zu Gast am Ölhafendamm ist ab 14 Uhr TTK Sachsenwald. Dem 20-Jährigen machen die Spiele trotz geringer Erfolgschancen viel Spaß.

WILHELMSHAVEN. Keine Frage: Es gibt schönere Einzelbilanzen. 0:6, 1:6, 0:6, 0:6, 1:6, 0:6 – Pascal Doose konnte in drei Spielen für Tennis-Nordligist Wilhelmshavener THC bislang nur dem Gegner gratulieren. Doch den 20-jährigen Wilhelmshavener stört das nicht. Dass die Spiele an Position zwei in der zweithöchsten Klasse im Winter das Etikett „Himmelfahrtskommando“ tragen, war auf Grund der Unterschiede in den Leistungsklassen und dem WTHC-Verzicht auf ausländische Spitzenspieler klar. „Als Teamchef Vladan Vasiljevic mich gefragt hat, ob ich trotzdem Lust habe mitzuspielen, musste ich nicht lange überlegen. Es macht doch Spaß, gegen so hochkarätige Gegner zu spielen.“

Da war zum Beispiel der Saisonauftakt des WTHC bei Klipper Hamburg (0:6). Pascal Doose traf – in einer Traglufthalle auf Sand – auf Felipe Parada. Der Chilene ist zwar mittlerweile 36 Jahre alt und Platz 371 in der Weltrangliste ist auch schon mehr als ein Jahrzehnt her, trotzdem blieb Doose, zuletzt im Sommer für Landesligist Oldenburger TeV III aktiv, chancenlos.

„Felipe hat mich permanent unter Druck gesetzt, wenig Fehler gemacht und mich nicht mehr aus der Rückhand-Ecke herausgelassen. Ich hatte nie das Gefühl, selber in die Offensive zu kommen. Trotzdem hätten es schon ein, zwei Spiele mehr sein können, die ich in den beiden Sätzen für mich entscheide.“

Oder das 1:5 des WTHC beim Harvestehuder THC. Pascal Doose traf da auf einen „meganetten Typen“. Allerdings auch auf einen mega-guten. Der Schleswig-Holsteiner Alexander Todorov (19), 2015 mit dem deutschen Team U 16-Mannschafts-Europameister, steht vor dem Sprung in den internationalen Turnierbetrieb. 0:6 und 0:6 gingen die Sätze aus Dooses Sicht aus. Und auch der Eindruck, den Todorov hinterließ, war nachhaltig. „Der Junge hat eine traumhafte Rückhand. Für mich war sie aber eher alptraumartig.“

Trotz der klaren Kräfteverhältnisse ärgert sich der 20-Jährige im Rückblick, wie auch zuletzt gegen Aufschlag-Spezialist Patrick Steinmetz aus Großflottbeck, nicht sein bestes Tennis gespielt zu haben. Pascal Doose: „Manchmal bin ich in Spielen nicht so gut wie im Training. Ein Manko, dass leider nicht erst in der Gegenwart aufgetreten ist.“

Deshalb der Blick zurück: Mit fünf Jahren stand Pascal Doose – die Eltern beide Tennisspieler – zum ersten Mal auf dem Platz. Und dann ging es zunächst einmal nur aufwärts. Der Wilhelmshavener gewann und gewann, trat – um mehr gefordert zu werden – bewusst in höheren Altersklassen an, nahm am Kreistraining (Andreas Waller) und dem des Bezirks unter Kurt Sammet teil – und träumte von einer Tennis-Karriere wie zum Beispiel der seines Vorbilds Rafael Nadal.

„Seinen Stil, das Spiel mit viel Spin, habe ich nachgeahmt. Und ein Stirnband, so wie er es trug, musste ich mir natürlich auch kaufen. Allerdings habe ich es nie getragen, weil es mit meinen damals langen, lockigen Haaren nicht so klasse aussah.“

In dieser Phase stellten sich auch national erste Erfolge ein. Zweimal erreichte der Wilhelmshavener, dessen größtes Manko aus Trainersicht die zu große Ungeduld war („Ich wollte immer schnell den Punkt machen“), das Viertelfinale beim Deutschen Jüngsten Turnier (2007/U 9, 2008/U 10).

Dann allerdings folgten die ersten Rückschläge. Doose: „Mit 12 oder 13 Jahren, so ganz genau arbeitet meine Erinnerung da nicht, habe ich dann zum ersten Mal deutlich mehr Spiele verloren als zuvor. Und du bekommst eine deutliche Vorstellung davon, dass es ganz schön viele Spieler gibt, die richtig etwas drauf haben.“

Um weiter gefordert zu werden, schlug Doose frühzeitig – erstmalig mit 13 Jahren – bei den Erwachsenen auf. Erst beim Vareler TV, dann für den Oldenburger TeV. Doose: „Dieses frühe Hineinschnuppern gehörte auch zur Philosophie der damaligen Kreis- und Bezirkstrainer, die so besser sehen konnten, wohin die Reise für den Nachwuchs geht.“

Für Pascal Doose, der derzeit in Roffhausen nach dem Abitur am Neuen Gymnasium eine dreijährige Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert, ging sie nicht in den Profibereich. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass es nicht reicht. Da gab es keinen festen Zeitpunkt. Das war eher ein schleichender Prozess.“

Das sanfte Ende eines Traums (Doose: „Ich habe nicht das Gefühl, durch die jahrelange Konzentration auf Tennis etwas verpasst zu haben“), ging einher mit Schulterproblemen, die den 20-Jährigen heute noch verfolgen und ihm auch aktuell noch regelmäßige Besuche beim Physiotherapeuten eintragen.

Am Samstag gegen den Tontaubenclub (TTK) Sachsenwald aus Schleswig-Holstein könnte Doose auf Philipp Hammer treffen. Der galt um die Jahrtausendwende als eines der größten deutschen Talente. Die damalige Nummer 40 der Junioren-Weltrangliste sorgte für Schlagzeilen, als er Boris Becker eine Absage für das deutsche Junioren-Team erteilte.

„Erst kommt das Abitur“, sagte Hammer, der sich anschließend unter die Top 350 der Welt vorarbeitete und 2008 in der 2. Bundesliga für Hartenholm u.a. mit Michael Stich und Henry Leconte in einem Team stand.

Pascal Doose sieht auch dieser möglichen Partie gelassen entgegen. „Das wird – egal gegen wen – wieder ein hartes Brot. Aber ich habe doch nichts zu verlieren. Warum soll ich mich also aufregen? Den Tennis-Schläger habe ich zweimal in meinem Leben zertrümmert. Ich denke, das reicht.“