Trotz Finalpleite stolz auf das Erreichte FUSSBALL - Fußball-Torwart Bernd Helmschrot über seine ebenso lange wie erfolgreiche K

Mit Fortuna Köln stand der gebürtige Thüringer 1983 kurz vor dem Gewinn des DFB-Pokals. Dafür gewann er in Wilhelmshaven das Herz seiner Frau Martina. WILHELMSHAVEN. Fußball-Torhüter Bernd Helmschrot hat in seiner Karriere viel erreicht. Ein Makel aber wurmt den 73-Jährigen, der heute mit seiner Frau Monika in Rüstersiel wohnt, aber immer noch gewaltig: Er hat nie ein großes Finale gewinnen können. „Ich war einige Male nah dran, aber ganz oben auf dem Treppchen stand ich in der Tat nie“, sagt der gebürtige Thüringer. „Trotzdem bin ich stolz auf das Erreichte, die Erinnerun
[2020-04-19]
Trotz Finalpleite stolz auf das Erreichte FUSSBALL - Fußball-Torwart Bernd Helmschrot über seine ebenso lange wie erfolgreiche K
Carsten Conrads
In besonderer Erinnerung behält Helmschrot das Finale im DFB-Pokal 1983: In Diensten des Zweitligisten Fortuna Köln sorgte der Torhüter im Spätsommer seiner Laufbahn noch einmal für ordentlich Furore. Nach Siegen über Freiburg, (Bayern-Besieger) Eintracht Braunschweig, Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund (5:0!) standen die Fortunen als krasser Außenseiter tatsächlich im Pokalfinale. Gegner damals ausgerechnet der renommierte Lokalrivale vom 1. FC.

Helmschrot: „Das war das einzige Endspiel, das nicht wie üblich in Berlin, sondern in Köln ausgetragen wurde. Die Atmosphäre in Müngersdorf war einmalig, die Anspannung riesengroß. Auf dem Papier hatten wir natürlich keine Chance gegen die Nationalspieler wie Toni Schumacher oder Pierre Littbarski – auf dem Platz sah das aber lange Zeit anders aus.“

In der Tat: Vor 66 000 Zuschauern war von einem Klassenunterschied nichts zu sehen. Fortuna – offensiv angeführt vom späteren HSV-Torjäger Dieter Schatzschneider – war über weite Strecken sogar die bessere Mannschaft. Da der Underdog aber einige gute Gelegenheiten ausließ, blieb die große Überraschung letztlich aus.

„Diese verfluchte 68. Minute werde ich wohl nie vergessen“, sagt der 73-Jährige im Rückblick auf die entscheidende Szene des Spiels: Beim Versuch, eine Flanke von der linken Seiten runterzupflücken kamen sich Helmschrot und ein Fortuna-Verteidiger in die Quere. Der Ball fiel Littbarski vor die Füße, der aus fünf Metern kalt abstaubte. „Das ärgerlichste Gegentor meiner Laufbahn“, sagt Helmschrot. „Absolut unnötig.“

Dass der Bundesliga-Torhüter, der außerdem zweimal deutscher Vizemeister mit Hannover 96 wurde, überhaupt den Weg zwischen die Pfosten fand, hatte der seinem Vater Horst zu verdanken. „Er war Boxer und hat mich häufig mit zum Training genommen“, erinnert sich Helmschrot. „Manchmal haben die Männer aus Jux auch Fußball gespielt, und ich musste ins Tor gehen. Dabei hat mein Vater offensichtlich mein Talent erkannt.“

Mit einer Körpergröße von 1,80 Meter würde der Rüstersieler heute wohl kaum noch einen Platz in einem Bundesliga-Kader bekommen. „Die Torhüter heute sind Maschinen, da ist ja kaum noch einer kleiner als 1,90 Meter“, sagt der 73-Jährige. „Das Spiel hat sich verändert. Heute bist du als Torwart mit 1,80 Meter zu klein – damals war ich mit dieser Größe guter Durchschnitt. Den Rest habe ich mit Geschick und Sprungkraft wettgemacht.“

Auch in der Jugend von Hannover 96 wurden Helmschrot’s Talente schnell erkannt. Nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft mit der A- und B-Jugend fand der Keeper zunächst einen Platz im Amateur-Team der 96er, rückte später in den Profi-Kader auf. Durch seine Amateur-Zeit kam Helmschrot aber mit seiner späteren Heimat Wilhelmshaven in Kontakt: „Mit dem TSR Olympia, Frisia, Germania und 05 (später SVW) spielten vier Wilhelmshavener Mannschaften in der Oberliga. Da saßen wir in Hannover quasi jedes dritte Wochenende im Bus in Richtung Nordsee.“

Dort schien es dem Torhüter ganz gut gefallen zu haben, denn als es 1974 bei Kickers Offenbach „atmosphärische Störungen“ rund um den Torwart Bernd Helmschrot gab, zog dieser die Reißleine und wechselte freiwillig von der 1. in die 2. Bundesliga – und zwar für die Ablöse von 100 000 Mark zum TSR Olympia.

Rein sportlich bekommt das eine Jahr am Jadebusen sicher keinen Ehrenplatz im Rüstersieler Partykeller. „Dafür habe ich nur wenige Wochen nach meinem Wechsel meine große Liebe gefunden“, sagt Helmschrot mit Blick auf seine Frau Martina. Beide haben eine gemeinsame Tochter, die mit zwei Enkeln in Hamburg wohnt. „Von daher war das eine Jahr TSR auch das schönste meiner Karriere. Zum Abschluss bin ich ja auch noch einmal wiedergekommen. Wir leben bis heute sehr gerne in dieser Stadt.“

Inzwischen hat der Bewegungsmensch Helmschrot die Torwart-Handschuhe gegen den Tennisschläger getauscht und wollte in Kürze mit den Herren 50 des WTHC wieder am Ölhafendamm aufschlagen. Doch daraus wird nun wohl nichts: „Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist, aber Corona hat wirklich alles zum Erliegen gebracht. Zum Glück sind wenigstens Fahrradtouren noch erlaubt.“


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