Niederlagen gehören zum Geschäft

TENNIS - Wilhelmshavener Nachwuchstalent Gary Gerr (WTHC) arbeitet an seiner Zukunft von Martin Münzberger WILHELMSHAVEN. Schule und Tennis, Schule und Tennis – so sieht – aktuelle Pandemie-Phänomene einmal ausgeklammert – seit geraumer Zeit das Leben von Gary Gerr aus. Der 13-jährige Wilhelmshavener würde gerne Tennisprofi werden wie sein großes Vorbild Roger Federer. Und wie der Weg dorthin aussehen könnte, hat der IGS-Schüler auch schon im Kopf. „In der 11. Klasse könnte ich mir vorstellen, ein Jahr Pause zu machen und – auch international – nur Turniere zu spielen, um
[2020-10-28]
Niederlagen gehören zum Geschäft

Zwei Verträge hat der 13-Jährige bereits „unterschrieben“. Zum einen wäre da der US-amerikanische Sportartikelhersteller Wilson, dessen Tennisprodukte – u.a. Bälle und Schläger – der Nachwuchsspieler zum halben Preis bekommt. Und da wären die „Augenärzte am Meer“ aus Wilhelmshaven, die Gerr in den nächsten zwei Jahren mit 4000 Euro unterstützen. Dr. Burkhard Awe: „Gary ist ein großes Talent. Wir hoffen, dass er sich in den nächsten Jahren genauso gut weiterentwickelt wie bisher und freuen uns, wenn wir auf diesem Weg unterstützen können.“

Neben dem sportlichen Bereich ist Awe aber noch etwas anderes mindestens genauso wichtig. „Die Motivation, einen hohen Aufwand zu treiben, kommt bei Gary aus ihm selbst heraus. Wir würden nichts unterstützen, wo die Familie nicht mit im Boot ist, oder wo jemand mit der Peitsche hinter ihm steht.“

Die Tage des IGS-Schülers (8. Klasse) sind ausgefüllt, auch wenn aktuell bereits um 14.30 Uhr und damit eine Stunde früher als sonst Unterricht und Betreuung enden. Anschließend geht es für zweieinhalb Stunden dreimal in der Woche zum dezentralen Landestraining nach Oldenburg. Auch Einzelunterricht bei Daniel Greulich, dem dort zuständigen, mit einer A-Lizenz des Deutschen Tennis-Bundes ausgestatteten Trainer gehören zum ehrgeizigen Pensum des 13-Jährigen.

Auf seinen Schützling hält Greulich große Stücke: „Er bringt viel von dem mit, was ein Spieler braucht, um sich durchzusetzen. Gary bestimmt gerne das Spiel, ist selbstbewusst im Auftreten und so in der Lage, in engen Spielen über sich hinauszuwachsen. Allerdings lässt sich in diesem Alter noch überhaupt nicht abschätzen, wie weit so ein Weg führen kann, auch wenn jemand so extrem fleißig und gewissenhaft arbeitet wie Gary. Erst einmal muss er damit leben, dass viele zwischendurch auch an ihm vorbeiziehen werden, weil es in diesem Alter große Entwicklungssprünge gibt.“

In diesem Zusammenhang gibt der Nachwuchsmann aber Entwarnung. „Die besten Niederlagen bringen mich zum besten Spiel“, stellt Gerr fest – ein großer Satz der auf dem Zettel stehen könnte, den der Wilhelmshavener mit seinem Vater zusammengestellt hat und der als Ritual in Spielen dient, in denen es einmal nicht so läuft. Und da Plan B (Tennis-Lehrer) und Plan C (Grundschul-Lehrer) auch schon in gedanklichen Schubladen liegen, ist auch beim Scheitern von Plan A keine Gefahr im Verzug.

Zum Tennis gekommen ist Gerr als Fünfjähriger über seinen besten Freund, David Lewandowski. Während Lewandowski, Sohn des langjährigen DEL-Spielers Eduard Lewandowski, mittlerweile in Düsseldorf und beim Eishockey gelandet ist, bastelt Gerr, zuletzt nebenbei für die Junioren A des WTHC am Start, weiter an der Karriere. Seit Februar gehört dazu einmal wöchentlich auch ein Fitnesstraining mit Reiner Schumacher und Roman Weber.

Tennis, Tennis und Tennis – kein Wunder, dass da der Hund der Familie Gerr, ein Shiba, auf den Namen „Wilson“ hört.


Weitere Nachrichten aus dem Verein

Zurück zu den News