Das Gefühl, ein echter Profi zu sein

TENNIS - Markus Wasmund (WTHC) wird Deutscher Meister im Rollstuhltennis Markus Wasmund bei einem Training im August in Wilhelmshaven.WZ-Foto: Gabriel-Jürgens Thomas Breves WILHELMSHAVEN/FRIEDEBURG. Wenn sich Markus Wasmund eines bewahrt hat, dann ist das sicherlich seine gute Laune. Seitdem er 2016 unverschuldet in einen Unfall mit einem Laster verwickelt war, ist das Fußgängerdasein beendet. Der 42-Jährige aus Friedeburg ist auf den Rollstuhl angewiesen. „Ich weiß noch, wie der LKW auf der Autobahnauffahrt in Höhe des Tankdeckels eingeschlagen ist“, erzählt er. Der Laster sch
[2020-10-10]
Das Gefühl, ein echter Profi zu sein
Ex-Oberliga-Spieler

Die Beine waren es bis 2016, die ihm seinen Lieblingssport ermöglicht hatten. Bis in die Oberliga hatte er es im Tennis geschafft. Tennis – der Sport ist auch heute noch sein Anker. Es gibt kein großes Turnier, das er nicht im Fernsehen verfolgt. Aber nur Tennis im Fernsehen zu schauen und sich mit dem Schicksal abfinden, das ist nicht das Ding von Markus Wasmund.

Seit einem Jahr greift der Friedeburger beim Wilhelmshavener THC wieder zum Tennisschläger. Zweimal pro Woche trainiert er – im Rollstuhl. Einzeltraining und Einheiten mit zwei 17- und 18-Jährigen Fußgängern wechseln sich ab.

Es war nicht einfach für ihn, Trainingsgegner für den Tennisplatz zu finden. „Die Leute haben Hemmungen. Sie wissen nicht, wie sie mit mir umgehen sollen.“ Es ist ein Spiegelbild des Alltags, das er auch auf dem Court erlebt hat. Dabei wünscht er sich nichts weiter als Normalität. „Ich will nicht geschont werden“, sagt er, „dann könnte ich auch gegen eine Wand spielen.“ Wenn er einen Ball nicht erreicht, „dann war ich einfach zu langsam. Es ist ein komplett anderes Tennisspiel, als ich es als Fußgänger gewohnt war“, erklärt der 42-Jährige die Umstellung. „Schon der Blickwinkel ist ein anderer. Ich schaue jetzt gegen die Netzkante, vorher darüber weg.“

Schnell erste Erfolge

Der Erfolg, der sich in kürzester Zeit im Rollstuhltennis eingestellt hat, erstaunt auch ihn. Zwar kann er auf Tennis-Erfahrungen aus der Vergangenheit zurückgreifen, doch nach ersten kleineren Turniererfolgen darf er sich seit dem vergangenen Wochenende Deutscher Breitensport-Meister im Rollstuhltennis nennen. Es ist für ihn ein kleiner Durchbruch zum großen Fernziel Paralympics. Denn der Titelgewinn sicherte ihm auch eine Einladung zur Nationalmannschaft. Allein der Gedanke daran lässt seine Augen leuchten. „Mein Ziel ist der Profisport, das treibt mich an.“

Blick in Niederlande

Beim deutschen Kader kann er auf ein Ärzte- und Physiotherapeuten-Team zurückgreifen. Das ist wichtig, denn Markus Wasmund muss aufpassen. Nach dem Unfall waren nicht alle Nerven im Rückenmark durchtrennt. Sein rechtes Bein ist durchaus noch in gewissem Maß funktionsfähig. Sein Training muss an diese Situation angepasst und überwacht sein.

Neidvoll geht der Blick da in das benachbarte Ausland, wo nicht nur medizinische Unterstützung, sondern auch die kostenlose Verfügbarkeit von Material eine Selbstverständlichkeit ist. „In den Niederlanden wird der Rollisport staatlich unterstützt, während ich in Deutschland etliche Tausend Euro für einen sporttauglichen Rollstuhl selbst aufbringen muss“, erzählt der Friedeburger. Die Nationalmannschaft der Oranjes begleitet ein ganzer medizinischer Stab. Daran ist in Deutschland derzeit überhaupt nicht zu denken.

Finale in Leverkusen

100 bis 120 Rollstuhltennisspieler gibt es in Deutschland, schätzt Markus Wasmund. Nur wenige schaffen es in den Profisport, noch weniger erreichen eine Teilnahme an den Paralympics. Umso schöner war es für den 42-Jährigen am vergangenen Wochenende in Leverkusen bei der Breitensport-DM im Finale zu stehen. „Sogar mit Ballkindern“, erinnert er sich mit Freude zurück. „Die haben mir die Bälle zwar auch mal an den Kopf geworfen, weil sie die Wurfhöhe nicht gewohnt sind, aber da mussten wir alle drüber lachen, sogar der Schiedsrichter.“ Als die Kinder nach dem Match dann sogar Autogrammwünsche hatten und ein Foto mit ihm machen wollten, da war es erstmals da – das Gefühl, ein Profi zu sein.


Weitere Nachrichten aus dem Verein

Zurück zu den News